GLAS AUS DER LIPIZZANERHEIMAT

Glas ist ein Material, das die Menschheit seit Jahrtausenden fasziniert und begleitet. Es ist ein Werkstoff, der sowohl in der Kunst als auch in der Wissenschaft, im Alltag und in der Industrie eine Zentrale rolle spielt.

Die ersten menschengemachten Glasobjekte stammen aus der Zeit um 3500 v. Chr. und wurden im Vorderen Orient gefunden. Diese Objekte waren meist Schmuckstücke oder kleine Gefäße. Sie wurden durch das Schmelzen von Quarzsand in einfachen Lehmöfen hergestellt. Die Farbe des Glases wurde durch die Zugabe von natürlichen Mineralien wie Eisen- oder Kupferoxiden bestimmt. Die Römer spielten eine entscheidende Rolle in der Geschichte der Glasherstellung. Sie waren die ersten, die Glas in großem Maßstab produzierten und auch exportierten. Das wohl wichtigste Glasmacherwerkzeug – auch noch heute – war die Glasmacherpfeife. Um 200 v. Chr. wurde sie in Syrien erfunden und ermöglichte es, komplexere Formen zu schaffen und die Qualität des Glases zu verbessern. Die Glasmacherpfeife ist ein ca. 1,20 m bis 1,60 m langes Stahlrohr mit einem Griff aus Holz und einem Mundstück an einem Ende. Das andere Ende bildet die als Nabel bezeichnete Ausweitung, die durch Eintauchen in die zähflüssige Glasschmelze (ca. 600–900 °C) einen Glasposten aufnimmt. Die Pfeife wird noch einmal in die Schmelze eingetaucht und mit Glas umschlossen. Zum Formen wird die Pfeife in ein Model aus Holz, Ton oder Metall, die davor mit Wasser gesättigt und nass gehalten worden ist, gehalten und ausgeblasen. Dieser beschleunigte Herstellungsvorgang war besonders geeignet für Hohlgläser mit etwa gleichem Aussehen und Fassungsvermögen. Die Glaserzeugung war eine sehr anstrengende und kräftezehrende Arbeit und insbesondere eine hohe Belastung für die Backenmuskulatur. Seit dem 19. Jahrhundert wurde die Glasproduktion schrittweise industrialisiert und die klassische Glasmacherpfeife wurde in den 1920er Jahren durch die Einführung der Glasblasmaschine abgelöst. Solch eine Glasmacherpfeife befindet sich auch im Depot des Museums in Köflach. 1871 wurde die Glasfabrik durch die Voitsberger Aktien-Glasfabriks-Gesellschaft in Köflach gegründet und hat die alte Glashütte Weyern-Gradenberg abgelöst. Schwerpunkt der Produktion war zuerst Tafelglas und ab 1886 kam Hohlglas dazu. 1929 verkündete der langjährige Direktor Johannes Guß den Verkauf der Fabrik an die Firma Glasindustrie Stoelzle AG. Stoelzle besaß bereits seit dem 19. Jahrhundert mehrere Glashütten in Österreich und Böhmen. Ab 1945/46 kam es zu einer starken Zuwanderung von Glasmachern aus den der Firma verlorenen Glasfabriken Hermannshütte und Reitendorf, aber auch aus anderen Glashütten Böhmens, die als Deutsche aus ihrer Heimat vertrieben waren. Es wurde die Erzeugung von Beleuchtungs-, Stangen-, Labor-, Bau- und leichtem Schleifglas in das Produktionsprogramm aufgenommen. Auch noch heute werden bei Stoelzle Oberglas das ganze Jahr über, rund um die Uhr Glasprodukte für unterschiedliche Bereiche wie z. B. Pharma, Lebensmittel, Getränke oder auch Kosmetik hergestellt.