DIE SPINNEN DOCH!

Spinnwirtel aus der Urnenfelderzeit, Fundort:

Dietenberg bei Ligist

Heutzutage geht man einfach in ein Bekleidungsgeschäft, um sich Kleidung zu kaufen oder man macht es sich noch bequemer und bestellt sich per Mausklick neue Kleidung. Der Fast-Fashion Trend macht es möglich, sich schnell, unkompliziert, immer wieder neu und vor allem kostengünstig einzukleiden. Doch das
war nicht immer so leicht! Das textile Handwerk ist eine der wichtigsten und einflussreichsten Erfindungen in der Entwicklung der menschlichen Kultur. Hinweise auf prähistorische Textilproduktion geben uns heute nur noch sehr wenige Gegenstände und Objekte. Erhalten bleiben oftmals Alltagsgegenstände wie Werkzeuge und Teile von Webstühlen aus Keramik oder Stein. Dazu gehören neben zum Teil relativ großen Webgewichten auch kleine Spinnwirtel, die mit hölzernen Spindeln zur Herstellung von Garn verwendet wurden. Die ersten Spinnwirtel in Mitteleuropa kennen wir seit dem Beginn der Jungsteinzeit  vor ungefähr 7600 Jahren. Anfangs wurden diese noch aus „recycelten“ Keramikfragmenten hergestellt, indem mittig ein Loch in eine Scherbe gebohrt wurde. Später treten scheibenförmige Spinnwirtel auf und ab der Bronzezeit und frühen Eisenzeit um 800 v. Chr. sind sie eher klein und teilweise verspielt gestaltet worden. Als Spinnwirtel werden Objekte verstanden, deren primäre Funktion die Fadenherstellung ist. Durch das Gewicht wird die Drehkraft einer Handspindel erhöht was die gewünschte Verdrehung der daran befestigten Fasern  meist Woll- oder Pflanzenfasern wie Flachs oder Hanf gewährleistet. Mit dem Aufkommen des handbetriebenen Spinnrads im 13. Jahrhundert kommen Handspindeln  und somit auch die Spinnwirtel  nach und außer Gebrauch.