Der Schrank – ein repräsentatives Möbelstück

Ein moderner Schrank soll sich möglichst unauffällig ins Schlafzimmer einfügen und im besten Fall so funktionell wie möglich sein. Nicht der Schrank steht im Mittelpunkt, wichtig sind die Dinge, die in ihm aufbewahrt werden.

zweitüriger bemalter Schrank, Holz, vermutl. 19. Jhd., Museum Köflach, Inv.-Nr. 2925

In seiner ursprünglichen Rolle ist der Schrank allerdings ein repräsentatives Möbelstück. Überhaupt einen Schrank zu besitzen und zu brauchen zeugte von Prestige und Besitz. Der Schrank entwickelte sich aus einem viel früheren Möbelstück, nämlich der Truhe. Truhen und Schränke existierten lange Zeit nebeneinander im ländlichen Haushalt, bis sich schließlich der Schrank, vor allem zur Unterbringung von Kleidung, durchsetzte. Aufwändig verzierte und bemalte Schränke waren oft Geschenke zu besonderen Anlässen und konnten beispielsweise Teil des Heiratsguts sein. Der Schrank und die darin aufbewahrte Aussteuer bildeten oft den einzigen persönlichen Besitz einer Frau, viele trugen den Schlüssel deshalb stehts bei sich.

Bei unserem sogenannten Bauernschrank handelt es sich um einen zweitürigen, bemalten Schrank aus Holz. Er stammt vermutlich aus dem 19. Jahrhundert. Solche bunt bemalten Schrankmöbel waren aber vom 18. bis ins frühe 20. Jahrhundert vor allem im ländlichen Gebiet verbreitet. In Auftrag gegen wurden sie üblicherweise bei einem Tischler. War der Handwerker zusätzlich auch künstlerisch begabt, bemalte er den Schrank auch. Es gab aber auch spezialisierte Möbelmaler. Häufig wurden bemalte Möbel mit einer Lasur gestrichen, die aus Essigwasser, Ochsengalle und Lasurfarben gemischt wurde. Traditionelle Elemente der Möbelgestaltung waren verschiedene architektonische Zierelemente, Initialen der Besitzer, Jahreszahlen von besonderen Ereignissen, florale Motive oder religiöse Darstellungen und christliche Symbole. 

Solche traditionellen Elemente finden sich auch bei unserem Schrank. Die beiden Türen, die seitliche Kartuschen und das profilierte Gesims und die Sockelleiste sind mit einer hellen rot-grünen Marmorierung bemalen. Die Türen besitzen zusätzlich vier Felder, die mit unterschiedlichen Blumensträußen und Schleifen geschmückt sind. Der geschwungene Aufsatz ist ein zusätzliches architektonisches Element. In einer Kartusche ist die christliche Abkürzung „IHS“ mit Kreuz, Herz und drei Kreuznägeln abgebildet. Das Monogramm ist eine Kurzform aus den ersten drei griechischen Großbuchstaben des Namen Jesu. Im Gesims findet sich zusätzlich noch eine religiöse Inschrift.

Dieser Schrank und noch weitere Möbel können im Schaudepot des Museums Köflach bewundert werden.